PETER W. SCHMIDT ARCHITEKTEN - Neubebauung Färberstraße
PETER W. SCHMIDT ARCHITEKTEN - Neubebauung Färberstraße
PETER W. SCHMIDT ARCHITEKTEN - Neubebauung Färberstraße

3. Preis Realisierungswettbewerb Stadt Balingen "Neubebauung Färberstraße"

Mit dem Entwurf der beiden Wohn- und Geschäftshäuser an der Färberstraße, wird in zentraler Lage der Balinger Innenstadt eine Neubebauung vorgeschlagen, mit der im Rahmen der Gartenschau 2023 an der Kulturachse ein architektonisches Zeichen gesetzt wird. Die Färberstraße war vor dem großen Stadtbrand 1809 im Bereich des zu überplanenden Grundstücks mit gereihten Häusern giebelständig bebaut. Der klassizistische Stadtgrundriss entwickelte dann eine Blockstruktur für die Innenstadt, die im engeren Bereich noch vorhanden ist, aber durch große Volumina und veränderte Auslegungen nicht mehr die Disziplin aufweist, wie es ursprünglich gedacht war. Aus dieser Wahrnehmung heraus, haben wir uns dafür entschieden, die Mittelparzelle mit einem giebelständigen Haus zu bebauen, das im Unterschied zu dem denkmalgeschützten, angrenzenden Gebäude und dem Eckgebäude Färberstraße 9 keinen Walm aufweist, sondern den Giebel flächig zur aufgehenden Fassade entwickelt und auf subtile Weise das mittlere Glied des Baublockes hervorhebt. Die Gebäude sind streng nach den Vorgaben der Gestaltungsrichtlinien im Zusammenhang mit der Ausweisung des Sanierungsgebiets entwickelt. Die ruhige, wohlproportionierte Fassadengestalt orientiert sich an den markanten werthaltigen Gebäuden in der Balinger Innenstadt und leitet daraus die proportionale Gliederung ab. Beide Parzellen erhalten auf unterschiedlichem Niveau im Erdgeschoss einen Laden. Die Ladeneinheiten sind mit bodentiefen Fenstern belichtet. Aufgrund des gemeinsamen Treppenhauses, das zu einer wirtschaftlichen Erschließung der oberen Wohneinheiten führt, sind sie großräumig geschnitten. Jeder Ladeneinheit ist eine kleine Spange mit dienenden Räumen zugeordnet. In den Obergeschossen werden großzügige Wohneinheiten entwickelt, die über das bereits erwähnte gemeinsame Treppenhaus erschlossen werden. Der behindertengerechte Zugang erfolgt rückseitig über eine Rampenerschließung. Auf kurzem Weg kann ebenso über den für die Bebauung typischen Bauwich zugegangen werden. Die Typologie der Wohnungen in den Obergeschossen ist Ausdruck der Überlegung, die Wohnung mittels einer Diele zu erschließen. Ein Minimum an Flurflächen sorgt für einen großzügigen Wohnungszuschnitt, der ein Maximum an Entfaltung für die zukünftigen Bewohner ermöglicht. Den Wohneinheiten im 2. Obergeschoss sind die Dachgeschosse über innenliegende Wohnungstreppen zugeordnet. Die Entscheidung, sich an der stadtbildgebenden Körnung und Ablesbarkeit der Parzellen zu orientieren, führt zu einer äußerst ruhigen äußeren Gestalt der Gebäude. Sie strahlt in der heterogenen Umgebungsbebauung, die weiter östlich der Färberstraße deutlich zu Tage tritt, Ruhe und Souveränität aus. Der zeitlose Charakter der Gebäude wird mittels einheitlicher Fensterformate, weiß verputzten Fassaden und einer Biberschwanzdoppeldeckung unterstrichen. Die Gauben sind rechteckig stehend aufgesetzt und wie die Gesimse und Regenfallrohre mit einer Blechverkleidung vorgesehen. Der präzise und unverwechselbare Eindruck gibt einer Parzelle unweit des Marktplatzes eine Wertigkeit, die in ihrer Fassadengliederung und Proportionierung klassizistische Anmutung erfährt, in ihrer Ausbildung der städtebaulichen Figur sich jedoch an der Stadtanlage vor dem großen Balinger Stadtbrand orientiert.

PETER W. SCHMIDT ARCHITEKTEN - Neubebauung Färberstraße