PETER W. SCHMIDT ARCHITEKTEN - Forschungsgebäude Picosens
PETER W. SCHMIDT ARCHITEKTEN - Forschungsgebäude Picosens
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Forschungsgebäude Picosens I Bühl 2015

Der Neubau des Labor- und Verwaltungsgebäudes ist als konventionelle Stahlbetonskelettkonstruktion mit Stützen und Flachdecken konstruiert. Über eine großzügige zweigeschossige Halle wird das Gebäude betreten. Beide Geschosse sind über eine repräsentative Treppe miteinander verknüpft. Die Halle erhält durch die Verglasung des Entrees und „eingestreute“ Oberlichter eine ausreichende Tageslichtführung. Typologisch ist die Halle mit zwei Raumschienen flankiert, die im rückwärtigen Bereich zusammengebunden sind, dort werden Sonderfunktionen angeordnet. In den seitlichen Flanken sind die Arbeitsplätze für Forschung und Entwicklung, Vertrieb und die Geschäftsführung ausgewiesen. Die Außenfassade ist als zweischalige Wandkonstruktion ausgebildet. Die großzügig bemessenen durchlaufenden Fensterbänder sorgen für eine sehr gute Tageslichtführung. In Verbindung mit der auf die Arbeitsplatzhöhe angepassten Brüstung, ist eine gleichmäßige Belichtung aller Arbeitsplätze gegeben.

Auszeichnung:

Hugo-Häring-Auszeichnung 2017

PETER W. SCHMIDT ARCHITEKTEN - Forschungsgebäude Picosens
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BNN Bericht zur Hugo-Häring-Auszeichnung von Uli Coenen

Gute Industriearchitektur ist selten. Das macht Gewerbegebiete zu Nicht-Orten ohne Geschichte und Identität. Der französische Anthropologe Marc Augé, der den Begriff geprägt hat, spricht gar von einer kommunikativen Verwahrlosung. Glücklicherweise gibt es Ausnahmen. Das Labor- und Verwaltungsgebäude der Ingenieurfirma Picosens in Bühl erhielt vom Bund Deutscher Architekten (BDA) die Hugo-Häring-Auszeichnung. Wer an diesem Gebäude am Ende einer Sackgasse im Gewerbegebiet Bußmatten ankommt, ist bereits an einer ganzen Reihe von anspruchslosen Industriebauten vorbeigefahren. Der Pforzheimer Peter W. Schmidt, der Architekt des Picosens-Gebäudes, ist ein Schüler des britischen Pritzker-Preisträgers James Stirling, dessen Meisterklasse er an der Kunstakademie Düsseldorf 1986 bis 1989 absolviert hat. Stirlings bekannteste Schöpfung in Deutschland ist die Neue Staatsgalerie in Stuttgart, ein Meisterwerk der Postmoderne. Von dessen gleichermaßen monumentaler wie verspielter Formensprache ist der 1957 in Karlsruhe geborene Schüler weit entfernt, an Stirlings Selbstbewusstsein mangelt es ihm allerdings nicht. 1984 bis 1987 war Schmidt als Mitarbeiter im Büro von O. M. Ungers in Köln tätig. Seit 1989 ist er freier Architekt in Pforzheim. Schmidt erhielt seine erste Hugo-Häring-Auszeichnung 1999 für das Geschäftshaus Karlsruher Straße in Pforzheim. Seitdem hat er von unterschiedlichen Fachverbänden eine ganze Reihe Architekturpreise erhalten. Das zweigeschossige Picosens-Gebäude in Bühl hat kubische Formen und wirkt fast monolithisch. Es erscheint von außen wie ein klassischer Mauerwerksbau, tatsächlich bildet ein Stahlbetonskelett das Tragwerk. Das charakteristische Sichtmauerwerk aus roten Klinkern prägt die Fassaden, die an den Langseiten gegen den Schwarzwald und die Rheinebene in jedem Stockwerk große Fensterbänder besitzen. Der verwendete Ziegel erinnert an das Institutsgebäude T2 der Hochschule Pforzheim, das der Architekt fast gleichzeitig mit dem Bühler Gebäude realisiert hat. Auch dieses hat kürzlich eine Hugo-Häring-Auszeichnung erhalten. Die Parallelen zwischen den beiden Schmidt-Bauten in Bühl und Pforzheim sind kein Zufall, denn das Picosens-Gebäude ist kein Industriebau im herkömmlichen Sinne. Dort werden keine Maschinen oder Konsumgüter produziert. Firmeninhaber Gerd Reime ist Erfinder, so dass die Grundstruktur des Bauwerks mit seinen Laboren, Büros für Verwaltungsmitarbeiter, zwei Konferenzräumen und einer kleinen Werkstatt für die Herstellung von Prototypen durchaus mit einem Hochschulinstitut vergleichbar ist. Einen städtebaulichen Akzent in Richtung der noch unbebauten Umgebung setzt die voll verglaste Hauptfassade mit dem filigranen und farbig gefassten Sichtbetonvordach. Sie öffnet sich zum zweigeschossigen, lichtdurchfluteten Foyer, das als Ort der Kommunikation für die Unternehmensphilosophie der innovativen Ideenschmiede steht. Eine elegante, lang gestreckte Betontreppe führt ins Obergeschoss, das von Galerien gerahmt wird. Der Grundriss des Hauses ist klar strukturiert. Zu beiden Seiten des Foyers befinden sich Büros und Labore, die den Mitarbeitern herrliche Ausblicke in die Rheinebene und den Schwarzwald bieten. Die beiden durch die großzügige Eingangshalle getrennten Raumschiene  werden im rückwärtigen Bereich, wo sich unter anderem Sonderfunktionen befinden, zusammengefasst. Formen und Farben sind im Inneren und Äußeren reduziert und beschränken sich auf wenige sorgfältig ausgewählte Materialien. Die Details sind stimmig. Um die Klarheit des Kubus nicht zu beeinträchtigen, wird beispielsweise auf störende Fallrohre vor der Fassade verzichtet. Peter W. Schmidt ist im Zusammenspiel und im Spannungsfeld mit dem engagierten Bauherrn Gerd Reime in Bühl ein großer Wurf gelungen. Der Pforzheimer setzt ein Ausrufezeichen im Industriegebieten Bußmatten, das man sich auch von anderen Investoren an Stelle von gesichtslosen Blechkisten wünschen würde. Dann könnten aus Nicht-Orten wieder Orte werden, in denen Menschen gerne arbeiten. Ulrich Coenen

PETER W. SCHMIDT ARCHITEKTEN - Forschungsgebäude Picosens
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